Detail

Kolumbianischer Spezialkakao (Cacao+Sostenible)

Im Rahmen des Projekts wurden neue nachhaltige Geschäftsmodelle für die Versorgung des Schweizer Marktes mit kolumbianischem Spezialkakao entwickelt. Insbesondere förderte das Projekt transparente, langfristige Geschäftsbeziehungen und half den Bäuerinnen und Bauern, die Rentabilität und Qualität ihrer Betriebe zu verbessern.

Um was es ging

Im Jahr 2016 unterzeichnete die kolumbianische Regierung das Friedensabkommen mit der Rebellengruppe FARC. Kakao wurde im Rahmen der Konfliktbewältigung zu einem Schlüsselfaktor, da er als wichtige Alternative zu illegalen Anbauprodukten gilt. Den meisten Projekten im Kakaosektor mangelte es jedoch an Marktorientierung, und die Unterstützung von kleinen Kakaoproduzentinnen und -produzenten führte nur zu begrenzten Erfolgen was Nachhaltigkeit und Umfang angeht.

Dieses Projekt trug zur Mobilisierung von Investitionen des Privatsektors bei, um innovative Ansätze und neue Verfahren, Produkte und Technologien zu entwickeln. Ziel war, dadurch das Einkommen der Kakaobauern und -bäuerinnen und ihren Familien zu verbessern und eine transparente, rückverfolgbare und klimafreundliche Kakaolieferkette zu schaffen.

Ort
Kolumbien
Dauer
2020-2022
Anzahl Begünstigte
2’524 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und ihre Familien
Durchgeführt von
Swisscontact
Projektpartner
Colcocoa, Pakka
Budget
Total: CHF 1,48 Mio., SECOs Beitrag: CHF 920’000

Was unternommen wurde

Cacao+Sostenible förderte tragfähige und innovative Geschäftsmodelle, welche bessere Bedingungen für die Kleinproduzierenden und ihre Familien ermöglichen und dadurch einen Export gemäss den Anforderungen der nachhaltigen Schweizer Schokoladenindustrie erlauben. Dies geschah durch:

  • Direkte Verknüpfung von kleinen und umweltbewussten Produzierenden in Kolumbien mit nachhaltigen Käuferinnen und Käufern in der Schweiz durch Zertifizierungssysteme und Portale zur Rückverfolgbarkeit.
  • Anbieten von effizienten und kostengünstigen Dienstleistungen für Kleinerzeugerinnen und -erzeuger in den Bereichen Management, technische Unterstützung und Kapazitätsaufbau für eine klimaverträgliche Landwirtschaft und ökologische Intensivierung.
  • Förderung des Zugangs zu integrativen Finanzprodukten und -lösungen, die auf die Merkmale und Bedürfnisse von kleinbäuerlichen Kakaoproduzentinnen und -produzenten abgestimmt sind.

Was das Projekt erreicht hat

Das Projekt verbesserte die Lebensbedingungen von 2’524 kleinbäuerlichen Kakaoproduzentinnen und -produzenten und ihren Familien. Es förderte eine klimaverträgliche Landwirtschaft und die biologische Vielfalt in den Betrieben (459 Bäuerinnen und Bauern wenden klimaverträgliche landwirtschaftliche Praktiken an), verhinderte Entwaldung und förderte Wiederaufforstung.

Der Projektpartner Colcocoa integrierte 250 Farmen in sein betriebliches Nachhaltigkeitsprogramm mit der Echar Pa'lante-Zertifizierung. Projektpartner Pakka optimierte mit zwei Produzentenorganisationen die Prozesse der Kakaoernte und Qualitätskontrolle und ermöglichte die Bio-Zertifizierung von 131 Produzierenden in den Regionen Huila und Tolima.

Damit unterstützte das Projekt 1’578 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bei der Erfüllung der Anforderungen des Schweizer Kakaomarktes und steigerte den Absatz von Kakao, der nach den freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards produziert wurde, um 1’407 kg.

Die Mentalität der Bäuerinnen und Bauern gegenüber dem Einsatz von gesundheitsschädlichen Chemikalien in der Landwirtschaft hat sich geändert. Wir haben unsere Lebensweise und das, was wir unseren Kindern vorleben, geändert.

Marcela Ortiz-Navez, Bäuerin in Algeciras, Huila, 36 Jahre

Was nicht klappte oder ungeplante Ergebnisse hatte

Aufgrund der Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie und die Unruhen in Kolumbien wurden Workshops und Schulungen virtuell durchgeführt und mehr digitale Tools entwickelt. Auf kommerzieller Ebene haben die Einschränkungen zu Engpässen bei der Versorgung und dem Transport von Kakao geführt, sodass innerhalb der Produzentenorganisationen neue Ressourcen aufgebaut werden mussten. Steigende Preise für Betriebsmittel haben die Produktionskosten erhöht und atypische Regenfälle aufgrund des Wetterphänomens La Niña haben die Produktivität verringert. Dies führte zu einem Umdenken hin zu einer diversifizierteren Produktion mit Agroforstmodellen, zu einer Verringerung des Einsatzes chemischer Mittel und zu einem gesteigerten Interesse an ökologischer Landwirtschaft und der Erzeugung lokaler ökologischer Produkte.

Ziel dieses Projekts war es, das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern und ihrer Familien zu verbessern und eine transparente, rückverfolgbare und klimafreundliche Kakaolieferkette zu schaffen.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erhielten Dienstleistungen in den Bereichen Management, technische Unterstützung und Kapazitätsaufbau für eine klimaverträgliche Landwirtschaft und ökologische Intensivierung.

459 Bäuerinnen und Bauern begannen mit der Anwendung von klimaverträglichen landwirtschaftlichen Praktiken.

Der Projektpartner Colcocoa integrierte 250 Farmen in sein betriebliches Nachhaltigkeitsprogramm mit der Echar Pa'lante-Zertifizierung. Projektpartner Pakka ermöglichte die Bio-Zertifizierung von 131 Produzierenden.

Insgesamt unterstützte das Projekt 1'578 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei, die Anforderungen der nachhaltigen Schweizer Schokoladenindustrie zu erfüllen.

Interview mit Silvan Ziegler von Swisscontact

Silvan Ziegler (Stellvertretender Landesdirektor, Kolumbien), inwiefern waren die Ansätze des Projekts neu und innovativ?

Obwohl Kakao in Kolumbien als wichtige Friedenspflanze gilt und weithin als Ersatz für den Anbau von Koka propagiert wird, fehlt den meisten Initiativen in diesem Sektor eine angemessene Marktorientierung. Ausserdem werden Qualität und nachhaltige Produktion kaum honoriert. Dieses Projekt trug dazu bei, Innovationen und Technologien aus dem Privatsektor zu fördern und gleichzeitig langfristige Geschäftsbeziehungen zu schaffen. Das geschah durch Wissens- und Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Lernen zwischen den Partnern, und indem das Projekt die Bemühungen auf ein gemeinsames Ziel ausrichtete und die Präferenzen der Verbraucher sowie die Lebensqualität der Erzeugerfamilien in den Mittelpunkt stellte.

Was hat Swisscontact durch das Projekt gelernt?

Wir erkannten, wie wichtig es ist, digitale Kommunikation und neue Technologien in die Prozesse zu integrieren und die technologische Kluft zu den ländlichen Gemeinden in Kolumbien zu überbrücken. Dies war im Kontext der eingeschränkten Bewegungsfreiheit aufgrund der Covid-19-Pandemie und der politischen Unruhen entscheidend. Auch übertrugen alle Partner des Konsortiums technische und Management-Fähigkeiten an lokale Partner und konnten die Schwierigkeiten weiter abmildern. Ein kompetentes technisches Team in den Gemeinden und bei den Produzentenorganisationen hat wiederum die Eigenverantwortung und die wirtschaftliche Stärkung der Produzierenden gefördert und die Kontinuität des Projekts erheblich erleichtert.

Was empfehlen Sie anderen Akteuren, die ähnliche Projekte durchführen?

Es war eine erfolgreiche Strategie, die Produzierenden und Produzentenorganisationen zu ermutigen, auf der Grundlage der Projektaktivitäten ihre eigene technische Entwicklung voranzutreiben. Sie schätzen das sehr. Wir stellten fest, dass auf diese Weise die bereitgestellten Inhalte, Werkzeuge und Ressourcen von den Teilnehmenden besser verstanden und übernommen wurde. Dadurch haben sich Praktiken wie der Weiterverkauf und der Austausch von Dienstleistungen, wie wir es in anderen Projekten gesehen haben, reduziert. Wir haben auch gelernt, dass die Jugendlichen ein wichtiger Faktor sein können, wenn es darum geht, den Produzierenden neue Technologien und Innovationen nahezubringen und die Kluft zwischen den Generationen zu überbrücken.

Wie geht es nun weiter?

Unsere Partner aus dem Privatsektor beziehen weiterhin Kakao aus den Projektgebieten und unterstützen die Produzentenorganisationen. Währenddessen sucht Swisscontact nach Lösungen, die über einzelne Lieferketten mit zertifizierter und verifizierter Produktion hinausgehen. In einem nächsten Schritt werden wir die laufenden Bemühungen ausweiten und zwei Pilotprojekte für nachhaltige Beschaffungslandschaften entwickeln, an denen alle lokalen Akteure beteiligt sind. Gemeinsam werden wir Herausforderungen wie Abholzung, Verlust der biologischen Vielfalt und ländliche Entwicklung auf regionaler Ebene angehen. Innerhalb und ausserhalb der landwirtschaftlichen Betriebe werden Massnahmen zur Einkommensdiversifizierung eingeführt, und die Kakaobäuerinnen und -bauern werden stärker in Entscheidungsfindung einbezogen. Dadurch soll sich ihr Einkommen erhöhen und sie widerstandsfähiger gegenüber Marktschwankungen und dem Klimawandel machen.

Wie wird sichergestellt, dass die Erfolge langfristig wirken?

Sowohl Pakka als auch Colcocoa sind entschlossen, in den verbesserten Schutz, die Wiederherstellung und die Sanierung von Wäldern und Ökosystemen zu investieren. Sie haben langfristige Investitionspläne und beziehen weiterhin nachhaltigen Kakao aus Kolumbien. Beide haben nachhaltige Partnerschaften aufgebaut, an denen Produzierende, Händler, Verarbeitende und Einzelhändler beteiligt sind. Pakka ist Mitbegründer von Equiori, dem ersten zertifizierten Bio-Schokoladenhersteller in Kolumbien, der im letzten Jahr um 100 % gewachsen ist. Colcocoa baut über sein freiwilliges Standardprogramm "Echar Pa'lante", das von CERES International überprüft wird, direkte und langfristige Beziehungen zu den Produzentinnen und Produzenten auf.

Projektbeschreibung auf der Website von Swisscontact


Involvierte Organisationen